Land und Leute

Nicaragua liegt in Zentralamerika. Dort, wo Nord- und Südamerika aufeinanderstoßen und eine schmale Landzunge bilden, die das Karibische Meer mit dem Atlantik vom Pazifischen Ozean trennt. Im Norden grenzen Honduras und El Salvador, im Süden Costa Rica an das am dünnsten besiedelte Land dieser Region. Nicaragua hat ungefähr 1/3 der Fläche der Bundesrepublik Deutschland, aber nur 5,5 Mio. Einwohner und damit so viel wie Schleswig Holstein und Hamburg zusammen. 43 % der Bevölkerung lebt auf dem Land und 57 % in den großen Städten.

Parallel zur Pazifischen Küste verläuft eine Bergkette mit noch aktiven Vulkanen. Das Land lässt sich in drei Klimazonen aufteilen:

  • In die pazifische Küstenebene mit den großen Städten León, Managua und Granada. Dort leben ca. ¾ aller Bewohner Nicaraguas. Die Region hat zwei deutlich unterscheidbare Jahreszeiten: Den trockenen Sommer von November bis April mit Temperaturen um 35 o C und den Winter als Regenzeit, in dem die durchschnittlichen Temperaturen immerhin noch um 28 o C liegen. Hier konzentrieren sich die Industrie und die großen Plantagen für den Export von Bananen, Zuckerrohr, Tabak, Erdnüssen und bis 1990 auch für Baumwolle. Die fruchtbaren Böden gestatten den Anbau von Grundnahrungsmitteln für die Bevölkerung: Mais, Reis, Hirse und rote und schwarze Bohnen.
  • Hinter der Vulkankette beginnt die Savannengegend mit ihren Weiden für die Viehzucht, die nach Osten allmählich in Bergland mit tropischem Regenwald übergeht, in dessen höheren Lagen Kaffeeplantagen liegen (beides Exportprodukte). Die Bewohner bauen auf kleinen Grundstücken Grundnahrungsmittel für die Selbstversorgung an. Das Klima ist kühler als an der Pazifikküste und die Niederschlagsmenge höher. Bergwälder oder die an großen Flussläufen gelegenen Waldgebiete sind morgens häufig von Nebeln umgeben, die sich im Laufe des Vormittags auflösen. Es gibt wenig asphaltierte Straßen. Der Transport auf dem Landweg ist mühselig und langsam: 20 km/h sind eine normale Geschwindigkeit. In der Regenzeit sind viele Wege unpassierbar.
  • Die feucht-heiße karibische Küstenebene (Atlantikzone) besteht aus tropischem Regenwald, umfasst rund die Hälfte der Gesamtfläche Nicaraguas und ist größtenteils menschenleer und unerschlossen. Manche Ortschaften an den Küsten können nur mit Flugzeug oder Schiff erreicht werden. Die Trockenzeit dauert nur drei Monate; es fallen mehr Niederschläge als in den anderen Teilen des Landes. Die dort lebenden Indianerstämme (Miskito und Rama) haben ihre eigenen Sprachen, deren langfristiger Bestand bis vor wenigen Jahren gefährdet schien, denn in vielen Schulen wurde nur Spanisch gelehrt. Heute wird ein umfangreiches bilinguales Sprachprogramm bis zum 6. Schuljahr durchgeführt, welches von der EU finanziert wird.

© 2011 Ein Beitrag von Gerd Schumann